Preisschock bei der Fernwärme: Schwierige Entscheidungen für unsere Kirchen
11. März 2026
Liebe Gemeinde,
wir müssen Sie heute über eine ernste finanzielle Entwicklung informieren, die unser Gemeindeleben und das anderer Kirchgemeinden in der Stadt direkt betrifft.
Unserer Gemeinde
Aufgrund einer Umstellung beim Versorger eins energie in sachsen wurden unsere langjährigen Fernwärmeverträge für die Schloßkirche und die St. Petrikirche gekündigt.
Was hat sich geändert?
Bisher zahlten wir vor allem für die Wärme, die wir tatsächlich verbrauchten. Das neue Preismodell sieht nun einen extrem hohen Grundpreis vor, der taggenau nach der Anschlussleistung berechnet wird – völlig unabhängig davon, ob die Heizung läuft oder nicht. Da wir unsere Kirchen nur an 20 bis 40 Tagen im Jahr heizen, trifft uns dieses Modell mit voller Härte.
Die Zahlen sind alarmierend:
Allein die Grundpreise belaufen sich künftig auf ca. 23.200 € für die St. Petrikirche und 17.000 € für die Schloßkirche. Das ist das Drei- bis Vierfache der eigentlichen Verbrauchskosten. Insgesamt würde der Betrieb beider Heizungen unsere finanziellen Möglichkeiten weit übersteigen.
Der Kirchenvorstand zieht Konsequenzen:
Da mit dem Versorger bislang keine andere Lösung gefunden werden konnte, musste der Kirchenvorstand am 05.02.2026 eine schmerzhafte Entscheidung treffen: Um die untragbaren Grundkosten zu vermeiden, wird für die St. Petrikirche die Stilllegung der Heizungsanlage beantragt.
Selbst der alleinige Weiterbetrieb der Heizung in der Schloßkirche wird voraussichtlich 23.500 € kosten – das sind 4.000 € mehr, als wir bisher für beide Kirchen zusammen bezahlt haben.
Wie geht es weiter?
Dieses Problem betrifft nicht nur uns, sondern alle mit Fernwärme beheizten Kirchen in Chemnitz. Wir setzen uns daher gemeinsam auf politischer Ebene für eine akzeptable Lösung ein.
Wichtiger Hinweis für die Osterzeit: Wegen der stillgelegten Heizung in der St. Petrikirche werden alle Ostergottesdienste in der Schloßkirche stattfinden. Den ersten Gottesdienst in der St. Petrikirche feiern wir in diesem Jahr am 19. April 2026. Wir bitten um Ihr Verständnis für diese notwendigen Schritte.
Im Namen des Kirchenvorstandes
Stefan Schulze
Weitere betroffene Chemnitzer Kirchen
Von der Umstellung der Fernwärmeverträge betroffen sind die vier großen Stadtkirchen in Chemnitz: St. Markus, St. Jakobi, St. Petri und die Schloßkirche. Für all diese Kirchen gilt, wie schon für unsere Gemeinde oben ausgeführt: Das Beheizen einer Kirche ist jetzt mehr als doppelt so teuer als bisher!
In der Konsequenz heißt das:
Da laut Versorger eins energie in sachsen aus gesetzlichen Gründen keine Ausnahmeregelungen für Kirchen möglich sind, sieht sich der eine oder andere Kirchenvorstand unserer Region vor die Entscheidung gestellt, die Heizung stillzulegen und das jeweilige Kirchengebäude nicht mehr zu beheizen. Das hat zur Folge, dass vor allem Konzerte, aber auch andere Veranstaltungen, in der kalten Jahreszeit nicht mehr wie gewohnt stattfinden können.
Ein solcher Schritt betrifft natürlich auch andere Veranstalter (Agenturen, Hochschulen, Gymnasien oder das Theater), die mit ihren Veranstaltungen regelmäßig in unseren Kirchen zu Gast sind. Die meisten, für dieses Jahr mit den jeweiligen Partnern längst geplanten, Veranstaltungen müssen nun abgesagt werden.
Im kulturellen Leben der Stadt bedeutet das einen tiefgreifenden Einschnitt oder besser: Abbruch, der nicht nur die Kirchgemeinden, sondern viele andere öffentliche und nicht öffentliche Träger und Einrichtungen und somit in den Auswirkungen auf die gesamte Stadtgesellschaft hat – im Nachgang zur Kulturhauptstadt eine traurige Entwicklung.
Wie geht es weiter?
Natürlich setzen wir uns weiterhin für eine politische Lösung ein – so gab es bereits mehrere Gespräche mit den Verantwortlichen bei eins energie in sachsen, und auch der Oberbürgermeister, das Regionalkirchenamt (Büro für Baupflege) und das Landeskirchenamt sind über die Problematik informiert.
Bisher zeichnet sich jedoch leider keine (kurzfristige) Lösung ab.
Wir bitten daher nochmals um Verständnis für die notwendigen Schritte und Maßnahmen, die wir angesichts dieser Situation in den eingangs benannten Kirchen treffen müssen.
Superintendent Manneschmidt