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Mit anderen Augen


1. August 2026

Ich weiß nicht, ob Ihnen das Titelfoto dieser Ausgabe bekannt vorkommt. Wenn nicht, kann ich Ihnen nur empfehlen, in die Schloßkirche zu kommen und sich in der Vierung ein paar Meter vor der Kanzel aufzustellen, so dass Sie das Gemälde an der linken Wand im Chorraum gut sehen können. Denn davon ist das ein Ausschnitt: „Die Aufnahme der Seelen zweier Verstorbenen unter die Heiligen“, gemalt 1515 in der Werkstatt Lukas Cranachs und im Übrigen die Rückseite des Bildes „Gnadenstuhl“ (was wir häufiger sehen).

Wenn Sie sich nun umdrehen würden und das erste Bild in der Reihe unserer aktuellen Ausstellung betrachten – dessen Titel ist „Marienmantel“ – dann findet sich in diesem Bild ein noch kleineres Detail wieder, künstlerisch auf das Feinste verarbeitet. 

Es ist Teil der Ausstellung „Zugewandt“ von Frau Professor Gisela Polster, die noch bis zum 16. August 2026 in der Kirche zu sehen ist. Sie macht uns nicht nur die Freude, an ihrer Sicht auf den schönen Cranach-Altar in der Schneeberger St. Wolfgangskirche teilzuhaben, sondern sie hat gleich noch zwei neue Werke erschaffen, die an Originale in unserer Schloßkirche anknüpfen. (Denn das zweite Bild in der Reihe ist ein Auszug aus dem Gnadenstuhl-Bild.)

Der Schneeberger Altar repräsentiert in einer genauen Abfolge von Bildern das Gedankengut der Reformation. Er ist im Grunde eine Predigt und Auslegung der Bibel an den Betrachter.Die Ausschnitte aber eröffnen einen ganz anderen Blick darauf.Gearbeitet in einer Technik mit zarter, filigraner Stickerei auf farbige Seidendrucke, lenken sie den Blick weg vom Großen und Ganzen, vom Gedanken, hin zum sinnlich erfassbaren Detail.

Wie oft wohl haben ich die Cranach-Gemälde in der Schloßkirche schon gesehen. Sie scheinen mir geläufig. Aber jetzt – ein ganz anderer Blickwinkel, ein ganz anderer Ansatz, sich ihnen zu nähern. Ich finde, dieser Blick auf Details ist zugleich ein Sehen „mit anderen Augen“.

Dazu lade ich Sie herzlich ein.

Elsemarie Schaarschmidt, Kirchvorsteherin.