Nach der feiertagslosen Zeit im Sommer gibt es bei uns im Oktober gleich zwei gesetzliche Feiertage. Neben dem Tag der Deutschen Einheit gedenken wir der Reformation.
Vor 509 Jahren schlug der Augustinermönch Martin Luther am 31. Oktober seine 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Es war der Unmut über den Umgang der Kirche mit den Gläubigen und mit dem Glauben. Die katholische Kirche stellte den Papst und seine Autorität in den Mittelpunkt der Heilserwartung. Dies kritisiert Luther, der als Professor für Bibelauslegung in Wittenberg lehrte. Nachdem Martin Luther sich selbst lange Zeit seines Lebens an den kirchlichen Vorstellungen und Regeln zur Buße zerrieben und gequält hat, erkennt er, dass das Heil nicht von Menschen, sondern von Jesus Christus ausgeht.
So heißt es sinngemäß in den letzten der 95 Thesen: „Man soll die Christen ermutigen, Jesus Christus nachzufolgen und sich nicht durch Ablassbriefe in falscher geistlicher Sicherheit wiegen.“
Ablassbriefe gibt es heute nicht mehr. Aber eine Kirche, die Jesus oftmals vergisst und sich nur um sich selbst kümmert, gräbt sich selbst das Wasser ab.
Ein Betrieb, der merkt, dass es wirtschaftlich bergab geht, versucht nicht, sich dem niedrigem Niveau anzupassen, sondern sucht nach Wegen, sich zu stabilisieren und wieder zu wachsen. Unsere Kirche in Deutschland, auch die sächsische Landeskirche, verwaltet leider nur den Abwärtstrend und schränkt die Arbeit ein, in dem sie immer weniger in ihre Zukunft investiert, Personal abbaut und durch immer größere Kirchengebiete eine zunehmende Entfremdung der Menschen von der Kirche in Kauf nimmt.
Weltweit wächst die christliche Kirche – doch im Kernland der Reformation erleben wir keinen neuen Aufbruch, sondern einen historischen Schrumpfungsprozess.Dir Kirche wird nicht nur gebraucht, um den moralischen Zeigefinger zu heben, sondern um die Menschen zur Buße und Umkehr zu ermutigen und Heil anzubieten, das den Menschen in unserer Zeit so fehlt, damit die Menschen wieder einen Sinn für ihr Leben finden.
Deswegen gibt es im November, am Ende des Kirchenjahres, noch einen Feiertag, den Buß- und Bettag (der bei uns sogar arbeitsfrei ist), damit sich die Menschen besinnen und bedenken, was sie ändern müssen. Es ist ein wesentlicher Auftrag unserer Kirche, den Menschen immer wieder die Bedeutung von Umkehr, Vergebung und einem Leben im Vertrauen auf Gott bewusst zu machen.
Ihr Gunar Berghänel
Fotos: G. Berghänel