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Strandspaziergang


1. Februar 2026

Der Himmel ist grau; es ist kalt und windig. Plötzlich prasselt Hagel auf uns ein, als ich mit meiner Frau am Nordseestrand von Cuxhaven entlanggehe. Gut, dass ich meine Mütze aufgesetzt und einen Schal umgebunden habe. Nordseewetter im Winter. 

Die Sturmflut vom Tag zuvor hat ihre Spuren hinterlassen. Es liegt mehr Sand als sonst auf den Wegen, die am Deich entlangführen. In diesen Tagen nach Neujahr tummeln sich nicht mehr viele Menschen am Strand. Es ist richtig erholsam, so scheinbar einsam am Deich langzugehen. 

„Papa, guck mal, da liegt ja eine Robbe. Die wird doch hier verhungern!“ Ich blicke in die Richtung, in die der Junge zeigt. Ohne seinen Ausruf hätte ich die Robbe nicht gesehen. Sie verschmilzt so mit dem Sand des Strandes, dass ich genau hinschauen muss, um sie auszumachen. Ab und zu hebt sie den Kopf – wie um sich zu vergewissern, dass keine Gefahr droht. Mehr Menschen bleiben stehen und machen Fotos. Hundegebell ist aus der Ferne zu hören. Es ist weit genug weg, um die Robbe nicht zu beunruhigen. 

Als ich die Robbe und dahinter die Wellen der Nordsee betrachte, fällt mir ein, dass hinter dem grauverhangenen Winterhimmel die Sonne scheint und der Himmel blau ist. Mir kommt die Jahreslosung für 2026 (Offenb.. 21,5) in den Sinn: Gott sprach: „Siehe ich mache alles neu!“ Alles neu – schön wäre es: Nachrichten über Gewalt und Krieg werden weniger, bis sie ganz verschwinden. Alle Menschen haben es satt, Auseinandersetzungen mit Gewalt und Krieg auszutragen. Kein Hass gegen andere wird verbreitet. Niemand kommt auf die Idee, Busse, die Obdachlose vor Kälte schützen, anzuzünden. 

Träume – sicher. Aber wenn ich träume, kann ich mir vorstellen, was anders möglich wäre. Wir können nicht ändern, was in der Vergangenheit an Furchtbarem geschehen ist. Aber wir können ändern, was dazu geführt hat: unser Verhalten uns gegenüber und gegenüber der Schöpfung. „Siehe ich mache alles neu“, sagt Gott – und wir können mit dabei sein. 

Mein Blick fällt wieder auf die Robbe. Vielleicht ist sie krank und braucht Hilfe. Wir könnten bei einer Seehundstation anrufen, damit Kenner sich um die Robbe kümmern. 

Meine Frau holt ihr Handy aus ihrer Handtasche. Da fängt die Robbe an, sich langsam Richtung Meer zu bewegen. Wir sind erleichtert, denn mit ihr scheint alles in Ordnung zu sein. Bevor die Robbe in die Wellen eintaucht, blickt sie kurz zurück. Dann robbt sie weiter und verschwindet im Meer. Es waren wohl die Strapazen der Sturmflut, von denen sie sich auf dem Strand erholen musste. 

Schön wäre es, wenn wir uns von den Strapazen der letzten Jahre erholen und dann mit gutem Mut den Träumen von Frieden und gutem Miteinander folgen und so zusammen in das Leben eintauchen können. Getragen von Gott, der alles neu macht. Ein frommer Wunsch? Sicher, aber es lohnt sich, an dem Traum festzuhalten. Der Zeitpunkt, damit zu beginnen, ist jetzt – wann denn sonst?

Stefan Hirschberg